Mikwe Hohenems, Hauptansicht (© Jüdisches Museum Hohenems, Darko Todorovic)

Mikwen – rituelle Bäder – nehmen in jüdischen Gemeinden eine zentrale Rolle ein. Durch vollständiges Untertauchen in ›lebendigem‹ Wasser kann der Zustand ritueller Reinheit erlangt werden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand eine, von der Aufklärung geprägte, Reformbewegung im Judentum. Damals erfuhren Mikwen von nicht jüdischer wie reformorientierter jüdischer Seite zunehmend Kritik als gesundheitsschädigend und unhygienisch. Sanitätspolizeiliche Reglementierungen und Empfehlungen für die Errichtung und Nutzung ritueller Bäder führten in vielen Gemeinden zur Schließung, Adaptierung oder zum Neubau von Mikwen.
Die 1829 in Hohenems errichtete Mikwe gilt derzeit als das älteste in Österreich erhaltene jüdische Ritualbad. Ziel der Diplomarbeit war es, Geschichte und Architektur der Hohenemser Mikwe im Kontext sozialer und religiöser Prozesse umfassend darzustellen und zu beschreiben. Die Baugeschichte auf Grundlage gefundener Quellen zeigt die Chronologie von Planung, Finanzierung und Errichtung. Da keine Baupläne erhalten sind und bisher keine Bestandspläne erstellt wurden, wurde eine tachymetrische Vermessung durchgeführt, um den aktuellen Zustand festzuhalten. Im Anschluss wird der Diskurs über jüdische Ritualbäder in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwischen Tradition und Reform, religiösen und sanitärpolizeilichen Vorschriften beleuchtet und auf seine Auswirkungen auf die Mikwen-Architektur eingegangen.