Mindmap Personen- und Ideenkonstellation

Mit dem Vergleich von Camilo Sittes (vor-)modernem Begriff des Malerischen mit Gernot Böhmes nachmodernem Begriff des Atmosphärischen lässt sich die Schönheit im Städtebau vor dem Hintergrund der Ästhetisierung der Lebenswelt neu diskutieren. Sowohl Sitte als auch Böhme gehen von einer Ästhetik als allgemeiner Wahrnehmungslehre aus, worin der Städtebau einen prominenten Platz einnimmt.
Während Sittes Ästhetik im Wesentlichen den Gesetzen des perspektivischen Sehens folgt, setzt Böhmes Ästhetik noch vor der visuellen Wahrnehmung ein und begreift das Atmosphärische als leibphänomenlogische Erfahrung. Mit dem Subbegriff des physiognomisch Prägnanten rückt Böhme den visuellen Gesamtcharakter der baulich-räumlichen Anordnung in den Mittelpunkt. An dieser Stelle treffen Böhme und Sitte aufeinander und formulieren einander gleichende Prinzipien für den schönen Stadtraum – geschlossener Gesamteindruck, räumliche Tiefe, produktive Vagheit / Unregelmäßigkeit, Vielfalt an Blickbeziehungen. Die Voraussetzungen dafür werden in den formalen Instrumenten der Orts- bzw. Stadtplanung geschaffen, weil dort die Anordnung von umbautem Raum und freiem Raum festgelegt wird. Um die Praktikabilität einer solchen Ästhetik zu überprüfen, wurden exemplarisch drei Plätze Wiens – Mateottiplatz, Johann-Nepomuk-Berger-Platz, WU-Campus – analysiert.