Ansicht

Der Sockel spielt in der klassischen, komponierten Architektur eine ebenso bedeutende Rolle wie in der Bildhauerei. »Er ist die Arena, auf der das komponierte Spiel mit schweren Steinen und Balken stattfindet …« so Wilkens in seinem Buch Architektur als Komposition. Der Sockel stellt »[…] eine menschengemachte Welt in der Welt […]« her: »Verzichtet man auf den Sockel und stelzt die Bauten auf Pfählen über dem wilden Boden auf, drückt das eine andere Haltung gegenüber der Natur aus.« »Die Wirkung, die solch ein Sockel entfalten kann, liegt ausserhalb unserer technischen Zeit.« Man müsse sich vorstellen, schreibt Wilkens weiter, man durchquere das offene Land, auf zerfurchten und holprigen Wegen, die oft nur ausgetrocknete Flüsse waren und dann vernehme man, »[…] auf halber Höhe, wo die Griechen die Götter wähnten, einen exakt vermessenen, noch nach zweitausend Jahren vollkommenen Sockel aus weißem Marmor.«¹
Die Vorhandenheit (oder Abwesenheit) eines Sockelbereiches entscheidet, wie ein Gebäude räumlich abgeschlossen wird. Der Sockel vermittelt zwischen Gebäudekörper und Erdreich und dient dem Passanten als optisches Fundament. Fernand Pouillon zeigt uns mit der Résidence Buffalo, dass die bewusste Ausformulierung eines Sockelgeschoßes es schafft, ein Gebäude in den städtischen Kontext einzugliedern und nicht zuletzt einen menschlichen Maßstab einzuführen.