Bewohnerin Chantale in ihrem Hotelzimmer (© Olga Muskala)

Gerade in Paris – jener europäischen Stadt, wo sich eine große Anzahl der Menschen trotz Arbeit kein Dach mehr über dem Kopf leisten kann – befinden sich ungewöhnliche, urbane Wohnnischen in Form privater Hotels, die Hôtels meublés. Sie dienen seit der Industrialisierung als transitorischer wie auch permanenter Wohnraum für ArbeitermigrantInnen und Mittellose, zuletzt auch als Notunterkünfte für asylwerbende Familien. Durch die fortschreitende Stadtsanierung, die steigenden Immobilienpreise und die Transformierung und Schließungen von Hôtels meublés verschwinden sie zusehends aus dem Stadtbild. Der Verlust der Hôtels meublés bedeutet gleichzeitig den Verlust eines wichtigen städtischen Ventils, nämlich dem des direkten und bedingungslosen Empfangs in der Stadtgesellschaft. Diese in der öffentlichen Meinung als prekäre, unhygienische, weiter noch als unmögliche, Wohnräume stigmatisierten Orte sind gleichzeitig reich an sozialen und räumlichen Potentialen. Diese Potentiale, ihre BewohnerInnen und HotelbetreiberInnen bilden den zentralen Inhalt der Recherche und Dokumentation. Als lösungsorientierte Conclusio der Arbeit versteht sich das sozialräumliche Konzept für eine gastfreundliche Stadt. Dabei ist der Erhalt dieser – allerdings neu zu denkenden – sozialen Hotellerie, durch die Reaktivierung und Stabilisierung, Ziel und Vision. Es scheint, als wären sie die maßgeschneiderten Ankommensorte und Vermittler der Integration in der Stadt und Gesellschaft.