Feldstudie Flüchtlingshäuser in Wien

Die Lebenssituation von Asylsuchenden in Österreich gestaltet sich als Parallelwelt, die sich im Spannungsfeld von Gesetzen, medialem Interesse und vor allem menschlichen Schicksalen befindet. Das entworfene Wohnhaus versucht an dieser Parallelwelt zu rütteln und architektonische sowie soziale Freiräume für die Bewohner_innen frei zu spielen.
Der Entwurf stellt gewohnte räumliche Konzepte auf den Kopf. Die teuerste Stadtfläche, das Dachgeschoß, wird der verwundbarsten Gruppe, den Asylsuchenden, zugedacht. Es wird eine kleinteilige, poröse Struktur entwickelt, die Licht, Luft und Nischen für jede Wohneinheit ermöglicht und dennoch sehr sparsam mit der Ressource Raum umgeht. Die kleinen privaten Häuser unterstützen die Identifikation mit dem Wohnort. Dadurch soll es den Bewohner_innen ermöglicht werden in ihrer Situation anzukommen, die von ihrer unbestimmten Temporarität geprägt ist.
Es wird die These aufgestellt, dass es möglich ist, mit den wenigen Quadratmetern die zur Verfügung stehen (ca. 5,5 m2 pro Person), qualitativen Wohnraum zu schaffen. Die enge räumliche Verwebung mit öffentlichen und konsumfreien Funktionen wird hierfür als zentrale Entwurfskomponente herangezogen. Das entwickelte Gebäude ist ein Stadthaus, welches sich in das vielfältige Stadtgefüge einbindet. Die öffentlichen Bereiche sind Raum für die Stadt und zusätzliche Wohnfläche für die Asylsuchenden. Eine Form erweitertes Wohnzimmer und Raum zum Austausch und (Kennen)Lernen.