Spekulative Intervention an Stelle der unrealisierten Kuppel der Kirche St. Ignazio di Loyola in Rom, Innenansicht

Am Abend einer Ausstellungseröffnung an der TU Wien wurde das Schaubild einer Mitstudentin an der Decke des Ausstellungsraumes präsentiert. In einer kleinen Gruppe streiften wir, Gläser in der Hand haltend und Blick auf die Decke gerichtet, durch den Raum. Möglicherweise war es der Wein oder die ungewöhnliche Musikbegleitung, aber das besagte Bild schien nicht zur Ruhe zu kommen. Mit jedem Schritt den wir machten, begann sich das Gebäude im Bild mehr oder weniger zu neigen, seine Kanten mehr oder weniger zu kippen. Wir drehten unsere Runden um das Bild, ohne zu wissen, was denn nun die zugrundeliegende Geometrie sein sollte, wie dieses scheinbar konventionelle Gebäude im Bild nun letztendlich orientiert sein sollte. Mit steigender Konzentration auf das Bild stellte sich ein gewisses Unbehagen ein, eine Unsicherheit ob der Orientierung der Decke oder der Ebene auf der wir uns bewegten. Das Bild erschütterte in seiner Ambiguität unser persönliches Koordinatensystem und schien uns den festen Boden unter den Füßen wegziehen zu wollen. Dieses unerwartete Moment der Körperlichkeit, das aus der Konfrontation der alternativen, räumlichen Wirklichkeit einer Repräsentation mit dem Raum, in dem sich die BetrachterInnen finden, entstehen kann, soll als Gegenmodell zur Vorstellung von Repräsentation als passives Werkzeug untersucht und anhand spekulativer Entwurfsübungen und eines Projekts, für die unrealisierte Kuppel der Kirche St.Ignatio di Loyola in Rom, überprüft werden.