Blick vom Bosporus

Dem Begriff des ›öffentlichen Raumes‹ kommt in der Ära der neoliberalen Großstädte eine besondere Signifikanz zu. Verschiedenste Akteure und Prozesse ändern mit ähnlichen Motiven das Gesicht der Weltstädte. Besonders in den Entwicklungsländern nimmt dieser Wandel einen brutalen Charakter an – ein Beispiel dafür ist Istanbul. Die schon vor den Gezi-Protesten öffentlich geführte Diskussion über den öffentlichen Raum in Istanbul und dessen Nutzung war die Inspiration für diese Arbeit. Ein Aspekt der Arbeit ist der Umgang mit der städtischen Wasserfront. In vielen Metropolen werden Uferflächen so bebaut, dass sie in das urbane Gefüge nicht mit einbezogen sind.
Der Entwurf soll auf einem Grundstück, das sich direkt am Bosporus befindet, neue Freiflächen schaffen. Der Höhenunterschied zwischen Stadt und Wasser wird als Potenzial anerkannt und ausgenutzt, indem die Dachfläche des Gebäudes als eine Rampe zum Wasser hin konzipiert wird. Die Funktionen dieses Kulturzentrums finden ihren Platz unterhalb der Rampe und werden durch diese erschlossen. Dieser Weg, der die, zur Zeit fehlende, fußläufige Verbindung schafft, soll nicht nur als Erschließung funktionieren. Mit seinem Gefälle zum Wasser hin, bietet er verschiedene Blicke auf den wunderschönen Bosporus und wird durch die Freiraumgestaltung und Begrünung auch zum Ort des Verweilens im öffentlichen Raum.