Städtebauliche Entwicklungsszenarien an einem ausgewählten Ort (Liesing, Wien)

Die Auseinandersetzung mit der Stadt im Allgemeinen legt vor allem eines Nahe: Raumwirksame Kräfte und Veränderungen und folglich relevante Handlungsspielräume finden sich nicht in einer Mitte sondern irgendwo bzw. ›überall sonst‹. Das schwer fassbare Phänomen von baulichen Entwicklungen der letzten 150 Jahre um all die historischen Zentren bzw. zwischen diesen und auch in diese hinein fand im deutschen Sprachraum seine wohl passenste Beschreibung in Thomas Sieverts Buchtitel ›Zwischenstadt‹.
Die vorliegende Arbeit ist der Versuch einer Auseinandersetzung mit der Zwischenstadt als allgemeines Phänomen und gebauter Beitrag an einem spezifischen Ort. Beobachtete Abhängigkeiten auf verschiedenen Betrachtungsebenen des Sachverhaltes und aus verschiedenen Blickwinkeln festgestellte Zusammenhänge entziehen sich der Logik einfacher Schlussfolgerungen. Die Argumentation für ein architektonisches Konzept ist in diesem Sinne vor allem die Einordnung in einen Gesamtzusammenhang und weniger die Reaktion auf eine spezifische Situation.
Das erarbeitete Konzept einer vielschichtigen Struktur fungiert als Grundlage. In einem ersten Schritt wird durch Einbringung einiger baulicher Ereignisse (›Fraktale‹, Prinzip der Redundanz) ein gewählter Bereich definiert und im Sinne einer ›Vernetzung‹ transformiert. Die weitere Entwicklung ist ein Prozess: Durch mögliche Ausbreitung/Verdichtung entwickeln sich im Sinne einer Eigendynamik geschlossene Zusammenhänge (Selbstorganisation).