KuratorInnen: Angelika Fitz, Teresa-Elisa Morandini, Rudolf Scheuvens
Mitarbeiterin: Helene Schauer
Szenografie/Grafik/Web: Extraplan (Emanuel Mauthe, Birgit Mayer, Stefanie Muther, Stefan Rinner)
Fotografie: Daniel Dutkowski
archdiploma-Trophäe: Fridolin Welte


Schauplatz: Erzherzog-Johann-Platz 1, 1040 Wien
Öffnungszeiten: Mo – Fr: 15:00 bis 20:00
Sa – So: 12:00 bis 20:00
Feiertag: geschlossen

Auf der archdiploma werden in einem zweijährigen Turnus die jeweils besten und interessantesten Abschlussarbeiten der Architektur und Raumplanung ausgestellt. Im Jahr 2000 vom ehemaligen Dekan Klaus Semsroth initiiert, findet die Ausstellung dieses Jahr bereits zum neunten Mal statt. Die Archdiploma 2015 steht unter dem Zeichen ihrer Rückkehr an die Technische Universität Wien als Ausstellungsort. Das Konzept denkt die Archdiploma 2015 als offenen Diskursraum rund um zukunftsrelevante Fragen von Raumplanung und Architektur. Im Fokus steht der Blick auf fachübergreifende Themen und gesamtgesellschaftliche Fragestellungen. Grenzen zwischen Theorie und Entwurf, zwischen Studienrichtungen und Instituten werden dabei bewusst aufgelöst. Einzelne Arbeiten werden nicht in erster Linie als abgeschlossene Beiträge verstanden, sondern als Teil eines andauernden Diskurses um Zukunftsfragen von Architektur und Planung.

Acht Themencluster werden in der Ausstellung präsentiert: Haushalten, Verhandeln, Stärken, Überschreiten, Vermessen, Einfügen, Anknüpfen und Vernetzen. Diese Themencluster sind Ausdruck der Inhalte und thematischen Schwerpunkte, welche von den Absolventinnen und Absolventen innerhalb ihrer Abschlussarbeiten behandelt wurden. Präsentiert werden Auszüge aus den Arbeiten in Form von Plänen, Visualisierungen, Thesen und erläuternden Texten, sowie Modelle, Videos und Interviews. Die Zuordnung der Abschlussarbeiten zu den jeweiligen Themenclustern stellt einen temporären Diskussionslayer dar. Dieser lässt verwandte Arbeiten zu thematischen Wolken zusammenrücken, die neue Sichtweisen eröffnen und Anknüpfungspunkte für weitere Diskussionen bieten. Die Abschlussarbeiten treten in einen Dialog und erhalten eine zusätzliche diskursive Ebene, auf der sie einander komplementieren, vertiefen, ergänzen oder auch provozieren.

Zur Archdiploma 2015 gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. Näheres Informationen finden Sie hier.

Teil der archdiploma ist die Auszeichnung herausragender Abschlussarbeiten durch den archdiploma-Jurypreis. Überdies gibt es einen Publikumspreis, für dessen Ausgang bis zum 19. November 2015 gevotet werden kann und welcher im Rahmen der Finissage vergeben werden wird.

Folgende PreisträgerInnen/Abschlussarbeiten wurden mit dem archdiploma-Jurypreis ausgezeichnet:

Daniela Allmeier StadtLandREGION ENNSPONGAU – Portrait-Vision-Strategie
Jurybegründung Die Diplomarbeit liefert eine präzise Analyse der räumlichen Verhältnisse einer stark touristisch geprägten Alpinregion. Insbesondere durch die grafische Aufbereitung werden die erhobenen Daten und Informationen gut lesbar und dadurch die wirtschaftliche und räumliche Situation nachvollziehbar dargestellt. Die entwickelten – etwas überspitzten - Szenarien helfen dabei Tendenzen der Raumproduktion im Ennspongau zu erkennen. Gerade die Überhöhung im Gedankenspiel des Szenarios hilft die Konsequenzen der Strategie zu schärfen. Derzeit wird den Veränderungen aufgrund des Klimawandels insbesondere im Wintertourismus noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Arbeit zielt genau auf diesen Mangel und weist in der Strategie unmissverständlich darauf hin. Jedoch konfrontiert sie nicht nur, sondern vermittelt auch mittels Leitsatz, Leitbild und Leitziel bis hin zu Projektvorschlägen Ansätze, wie die Region sich anders entwickeln könnte. Das Buch kann somit einen Denkanstoss zur Veränderung geben.

Gerhard Flora / Philipp Oberthaler 40 Jahre Wildnis
Jurybegründung Etwas mehr als 40 Jahre ist es her, da Rem Koolhaas mit seiner Diplomarbeit an der Londonder AA neue Maßstäbe gesetzt hat. Seither sind konzeptuelle Abschlussarbeiten, die eher eine fiktive Geschichte als einen konventionellen Gebäudeentwurf vorlegen, an vielen Architekturfakultäten möglich, wenngleich nicht die Regel. Originell ist deshalb die Idee von Gerhard Flora und Philipp Oberthaler, Koolhaas’ Exodus als Ausgangspunkt für eine Weitererzählung zu nehmen. Sie besteht aus fiktiver Story (erzählt als Comic) und einem Essay, die sich beide kritisch mit der vermeintlichen Avantgarde-Architektur seit den 1970er Jahren beschäftigen. Stil und Gestaltung der Publikation sind an SMLXL, Content usw. angelehnt, erreichen aber (noch) nicht die Stringenz und Komplexität des Vorbilds. Die Jury würdigt gleichwohl ausdrücklich den Mut und die Ambition der beiden Autoren, die üblichen Pfade von Architekturabschlussarbeiten zu verlassen.

Nela Kadic / Vera Seriakov Skopje. Abseits der Kulisse – Strategien für eine junge Hauptstadt
Jurybegründung Die Arbeit zeichnet sich durch eine durchgehende, klare Logik aus. Auf eine gründliche, persönliche und einfühlsame Bestimmung des Status quo folgt die Entwicklung einer städtebaulichen Strategie aus welcher Entwürfe für zwei Schlüsselgebiete der Stadtentwicklung resultieren. Das Buch präsentiert sich in einem schlichten, effektiven und schönen Layout, welches für die Aufgabe sehr gut funktioniert. Keine übertriebenen Gesten und Schnörkel müssen über mangelnde Inhalte und Inkonsistenten hinwegtäuschen. Die Arbeit kann den Verantwortlichen in Skopje sicherlich gut als Impuls und Lösungsansatz dienen; wobei die von den Autorinnen auf den letzten Seiten angestellten Vergleiche zeigen, welche monumentale Aufgabe hier zur Diskussion steht.

Sabine Lutz Sozialraumorientierte Steuerungsstrategien in der Stadterneuerungspraxis als Ansatz zur Verringerung von großstädtischen Benachteiligungsphänomenen am Beispiel von Berlin | Moabit [D] & Wien | Simmering [AUT]
Jurybegründung Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich eine ausführliche, genauestens recherchierte und methodisch transparente Masterarbeit zum „neuen“ Stadterneuerungsinstrument des sozialen Raums, wie er seit Henri Lefebvre, Pierre Bourdieu oder Martina Löw diskutiert wird. Auf der Basis von Interviews werden die sozialraumorientierten Steuerungsstrategien in den Bezirken Berlin-Moabit und Wien-Simmering in einem Detailgrad untersucht und ausgewertet, der beinahe Dissertationsniveau erreicht. Aufgrund der herausragenden Qualität der Arbeit (die lediglich eine stärkere thesenhafte Struktur vertragen könnte), möchte die Jury jedenfalls die Autorin ermutigen, den bereits beschrittenen Weg fortzuführen und zu vertiefen.

Carina Sacher „Willkommen in den Hotels meubles“ Potenziale ungewöhnlicher Wohnnischen im Pariser Quartier La Goutte d’Or
Jurybegründung Carina Sacher beschäftigt sich anhand eines konkreten Quartiers in Paris (La Goutte d’Or) mit den in ihrer Existenz gefährdeten „Hotel meubles“. „Hotel meubles“ sind temporär und/oder längerfristige leistbare Unterkunftsmöglichkeiten für Touristen ebenso wie für Einwanderer und werden auch als Wohnprovisorien genutzt. Analytisch erarbeitet und beschreibt sie die räumlichen und sozialen Potenziale dieser speziellen Hotellerie als wichtigen urbanen Transitwohnraum in Text und Bild, gleichzeitig ist ihre emotionale Verbundenheit zu der Thematik spürbar. Das Buch zeigt die Wiedersprüche der städtebaulichen Entwicklung von urbanen Räumen in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht in Verbindung mit der aktuellen globalen Problematik der Migration auf. Es ist wissenschaftlich aufgebaut, ästhetisch gelayoutet, spannend zu lesen und sollte unbedingt veröffentlicht werden.

Nora Amelié Sahr Werkzeuge für die Schattenräume der Stadt - Shanghai/Wien
Jurybegründung Die Arbeit stellt sich die Frage nach der Bedeutung des öffentlichen Raumes in unterschiedlichen kulturellen Kontexten, dabei bietet sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen theoretischem Diskurs und praktischem Experiment. Eine fundierte Diskussion der unterschiedlichen historischen Öffentlichkeiten der beiden Kontinente ermöglicht einen Perspektivenwechsel. Das Besondere an diesem Diplom ist, dass dieser dokumentierte Unterschied in der Arbeit konsequent und experimentell erforscht wurde. Jedem Begriffsdiskurs wird eine entsprechende Intervention im Raum beigestellt und durchgeführt. Die Leere, die Prozesse, die Bewegung und die Produktion finden durch die verwendeten Werkzeuge ihre Entsprechungen im Raum. Der Diskurs über „Produktion“, als Übertragung einer alltäglichen Nutzung aus China in den öffentlichen Raum der Stadt Wien, verdeutlicht diesen Ansatz am eindrücklichsten. Das „DongdongFan“ – Fahrrad als mobile Küche zeigt, dass die Differenzen in der Administration einer informellen Nutzung des öffentlichen Raums zu finden sind. Im publikationsreifen Buch werden alle diese Schritte deutlich nachvollziehbar dokumentiert. Absolut lesenswert.

Katharina Schmidt Parallelwelten – Veranstaltungszentrum Schaubergwerk Seegrotte
Jurybegründung Die Arbeit Parallelwelten von Katharina Schmidt ist eine im besten Sinne klassische Entwurfsarbeit. Thema und Ort sind so gewählt, dass sich ein breites und dennoch spezifisches Repertoire architektonischer Themen entwickeln lässt. Topographie, Licht und Materialität werden in überzeugender Weise zu zentralen Themen der Arbeit, die sich die Aufgabe stellt, eine entsprechend atmosphärische Dichte herzustellen. Bemerkenswert ist dabei die Bandbreite und Qualität der klassischen Darstellungsformen: Skizze, Grundriss, Schnitt, Schaubild und insbesondere die Modelldarstellungen führen die vielfältigen Übersetzungs- und Transformationsprozesse architektonischer Entwurfsarbeit im Vorfeld von Realisierungsabsichten vor Augen. Leider wird die Präsentation der Arbeit in Buchform der Entwurfs- und Darstellungsqualität der einzelnen Bilder nicht gerecht.

Josef Steckermeier *Re:Zwischenstadt – Vernetzung und Selbstorganisation als räumliches und zeitliches Konzept
Jurybegründung Die Bewältigung der Weiterentwicklung der „Zwischenstadt“ - also jenes Vermächtnis der Automobilära, welches sich in gewaltigen Dimensionen rund um die Stadtkerne fast aller europäischen Städte ausdehnt - ist eines der großen Themen der Stadtentwicklung der Gegenwart. Respekt also vor Josef Steckermeier dieses Thema in seiner Arbeit überaus gründlich und akribisch anzugehen und in einen Entwurf überzuführen, der bis zu Detailmodellen reicht. Die verschiedenen Ebenen des Buches erlebt man als Collagen der Ideen, die viele interessante Anregungen dar- und gegenüber stellen, die aufwändige und einfallsreiche Aufmachung des Buches regt zum Lesen und zum Denken an. Wenig überraschend wird hier allerdings auch klar: Die Zwischenstadt wird uns noch lange beschäftigen.

Martin Zisterer Raumrohling
Jurybegründung An der Stadt und ihren Fragmenten weiter zu bauen ist eine zentrale und hochaktuelle Aufgabenstellung, die einige Zeit aus dem Blickfeld architektonischer Aufmerksamkeiten geriet. Historisch gesehen ist das Nutzen und Transformieren bestehender Strukturen aber nicht nur die häufigste sondern auch die praktikabelste Möglichkeiten wirklich „nachhaltig“ zu bauen.
Die Arbeit von Martin Zisterer erweitert diese einfache Tatsache um damit verknüpfte städtebauliche und gesellschaftspolitische Fragestellungen. Drei ausgewählte Referenzprojekte illustrieren dabei unterschiedliche Möglichkeiten, Flexibilität und Nutzungselastik über rein typologische Diagramme hinaus im städtebaulichen Kontext zur Darstellung zu bringen. Dazu korrespondierende, inhaltliche Einschübe schaffen spannende Bezüge und verleihen der Arbeit eine spezifisch poetische Atmosphäre, die sich in und aus der grafisch überzeugenden Aufbereitung entspannt.

Die Jury setzte sich aus folgenden Personen zusammen:

Hans Gangoly – Professor und Leiter des Instituts für Gebäudelehre, TU Graz; Gangoly & Kristiner Architekten
Erik Meinharter – Partner im Büro PlanSinn; Lehrbeauftragung an der BOKU und der TU Wien
Michael Rosenberger – Mitarbeiter der MA 18 am Referat für Stadt- und Regionalentwicklung; Projektleiter des STEP 2025
Maria Schneider – Professorin am Institut für Städtebau und Raumplanung, Universität Innsbruck; urbanlab; architektur.ps
Angelika Schnell – Architekturtheoretikerin, Redakteurin und Autorin; Professorin am Institut für Kunst und Architektur, Akademie der bildenden Künste Wien

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